Entstehung von Mäandern

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Entstehung von Mäandern

Beitragvon Ronin » Samstag 10. September 2005, 16:26

Wie sehen eigentlich die neuesten Theorien zur Erklärung der Entstehung von Mäandern aus, d.h. gibt es überhaupt allgemein anerkannte und abgesicherte Theorien!?

Es gibt ja den "alten" Erklärungsansatz von irgendwelchen Unregelmäßigkeiten der Erdoberfläche oder im Gerinnebett (hartes anstehendes Gestein o.a.), welche eine Mäanderbildung auslösen sollen (mittels positiver Rückkopplung usw.). Allerdings wurde dies ja durch zahlreiche Beobachtungen widerlegt oder für unzureichend erklärt.
Nun steht in Lehrbüchern oft nur dass die Schwingungsbewegung durch die Erosion erreicht wird, welche auf der Außenseite des Bogens am stärksten ist (Prallhang) und den gegenteiligen Mechanismus am Gleithang.

So, meine Frage nun- wieso ist den an irgendeinem Punkt die Strömung (und damit auch Erosion) auf einer Seite stärker als auf der anderen?
-Kann man da vielleicht die sog. "pool-riffle"- Theorie (ich nenne sie einfach mal so)(Keller, 1972) als Ansatz nehmen? Und wie kommt es zur Entstehung dieser Tiefen/ Untiefen, wenn Mäander doch am liebsten auf homogenem Material (Schwemmland o.ä.) entstehen, wo sie frei schwingen können?
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Beitragvon glimmerschiefer » Samstag 10. September 2005, 19:23

soweit ich weiß, bezieht sich die pool-riffle-theorie eher auf schnell fließendes wasser, also auf die oberläufe von gewässern, bei denen noch keine echte mäanderbildung auftritt. allerdings stammt mein wissen dazu größtenteils aus "ahnerts geomorphologiemärchenbuch"

was ungleichgewichte im stromlinienverlauf angeht, so könnte ich mir viele ursachen vorstellen. z.b. abgestorbene und ins wasser gefallene bäume (oder tiere :) ), die das wasser an einer stelle abbremsen und die "laminarität" so aus dem gleichgewicht bringen.

eine andere variante wäre vielleicht in ähnlichem zu finden wie in der anlage von "head cuts", die man zwar eher von oberflächlich abfließendem wasser kennt und die für die anlage von erosionsrinnen bekannt sind. warum soll die mehr oder weniger zufällige entstehung von diesen head cuts nicht auch am gerinnegrund stattfinden und damit lokal zu unterschieden in der tiefe des gewässers führen, also letztlich auch wieder inhomogenitäten im abfluss erzeugen.
allerdings müsste ich mir da selbst widersprechen. denn head cuts würden eine vertiefung im längsprofil darstellen (pools) und das freigesetzte material müsste sich ein paar meter weiter auch wieder ablagern (riffles). :-?


seis frum, ich freue mich auf eine hoffentlich spannende diskussion
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Beitragvon Ronin » Montag 12. September 2005, 18:17

Interessante Theorie... die mit den abgestorbenen (oder auch nicht!?) Tieren als auslösendes Element meine ich! ;) Wäre doch mal eine Studie wert: "Tierakkumulationen im fluvialen System und deren Wirkung(en) auf dessen morphologische Strukturen." -Klingt doch gut- werde gleich mal einen Förderungsantrag einreichen... ;)

Nein, aber im Ernst- dass was du da mit deinen "head cuts" (der Begriff war mir neu!) beschreibst und auch dass mit lokalen tieferen und seichteren Stellen läuft doch im Prinzip auf die Idee aller vormaliger (und heute z.T. abgelehnter- warum auch immer) Hypothesen hinaus! Nämlich, dass es irgendeine anfängliche Unregelmäßigkeit gibt, wonach sich das ganze System "hochschaukelt"- in manchen Untergrundmaterialien geht das halt besser in anderen schlechter und manchmal ist einfach kein Platz da (im Talquerschnitt), oder!?
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Beitragvon glimmerschiefer » Freitag 16. September 2005, 21:01

würde mich aber mal interessieren, wie du den einfluss von organischen resten in klumpenform beschreiben kannst. fakt ist zwar, dass so ein tierchen oder eine wurzel eine laminare strömung aus dem gleichgewicht bringt, sodass an bestimmten stellen erhöhte energiewerte des fließenden wassers erreicht werden, aber der zeitliche rahmen für die bestimmung der wirkung ist dabei ein anderer.

aber was anderes, wo ließt man denn, dass und vor allem warum die alten theorien nicht stimmen sollen? für mich klingen sie immerhin logisch und nachvollziebar. wenn sie auch mit sicherheit nicht der weisheit letzter schluss sind und ebenso auch nicht als alleinige ursache herhalten können.
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Beitragvon corvus corax » Montag 3. Oktober 2005, 08:57

oh ja, schreib mal bitte was zur widerlegung der gängigen theorien. ich fand die immer ganz plausibel. eigene beobachtungen zur entstehung von mäandern lassen sich übrigens prima an den minifließgewässern machen, die bei starkregen über irgendwelche mäßig geneigte brachen laufen. da sieht man dann, dass ein kleines festgebackenes steinchen den stromstrich zum auspendeln bringt und damit mäander im fließgewässerlauf erzeugt. ich wüsste nicht was dagegen spricht. welcher art das hindernis ist, also ob es sich nun um ein steinchen, einen felsblock oder ein totes känguru handelt, ist doch nebensache, oder?

an einer stelle, ist der ansatz zum zweifel aber sicher berechtigt. die tatsache, dass mäander vor allem im tiefland auftreten, auch an großen flüssen, lässt sich mit der klassischen "mäander-durch-widerstand-theorie" wirklich nicht hinreichend erklären.

womöglich genügt ja bei einem langsam strömenden tieflandsfluss mit entsprechend wenig energie bereits ein sehr geringer exogener impuls, um den stromstrich abzulenken. da die schwemmlandufer und auch der flussgrund vergleichsweise wenig widerstand bieten, pendelt ein einmal schwingender stromstrich extrem lange.
ein solcher einmaliger impuls tritt vermutlich oft genug auf (totholz oder ähnliches), um das system am leben zu erhalten. dazu kommt noch, dass ein einmal mäandrierendes system eine hohe persistenz haben sollte. das käme allerdings mal auf einen versuch an.
so bleibt das mäandrieren meiner meinung nach ein wechselspiel zwischen der häufigkeit exogener störungsereignisse und einem faktorenkomplex mit den eigenschaften des flusses bzw. seiner direkten umgebung (fließgeschwindigkeit, flussgrundrauigkeit, ufermaterial etc.).

interessant wäre wirklich, ob sich ein mäandrierendes system ohne exogenes störungsereignis wieder zu laminarem fließen entwickeln würde.
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Beitragvon Arno » Donnerstag 20. Oktober 2005, 10:20

Mäandrieren und laminar sind keine Gegensätze, sondern ganz verschiedene Begriffsebenen.
Wenn man bei einem Fluss alle Parameter (z.B. Substrat, Wassermenge, jahreszeitliche Ganglinie) gleich hält und nur das Gefälle ändert, stellt man fest, dass mit zunehmendem aber auch gegen Null gehendem Gefälle die Sinuosität abnimmt, bis das System völlig zum Anastomosieren bzw. Braiding umkippt. Der gestreckte Fluss, der hier implizit als "Gegenspieler" des mäandrierenden verstanden wird, exisitiert unter natürlichen Verhältnissen kaum. Meist ist er nur eine Phase (bei Hochwasser) im jahreszeitlchen Abflussgang eines Braided Rivers.
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Re: Entstehung von Mäandern

Beitragvon Asalat » Montag 6. August 2012, 12:18

Hallo!

Die Diskussion ist schon etwas alt, aber dennoch:
Die Entstehung von Mäandern kann auch mit der Temperaturabhängigkeit der Wasserbewegung zu tun haben. Dies hat Viktor Schauberger schon vor über 70 Jahren postuliert und durch Naturbeobachtungen zu belegen versucht. In neuerer Zeit gibt es viele wissenschaftliche Studien, die das belegen. Es gibt einen Verein, der dazu Untersuchungen macht und auch Seminare anbietet www.implosion-ev.de
Ist für die meisten neuartig, aber nicht so leicht von der Hand zu weisen...
Gruß A.Salat
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