Gold in Quarzadern

Ob Rumpffläche, Schichtstufe oder Flußterrasse. Fragen und Antworten zu Faktoren und Prozesse der Oberflächenformung findet Ihr hier.

Gold in Quarzadern

Beitragvon Carina » Sonntag 21. August 2011, 19:44

Hallo zusammen

Wir haben letzte Woche im Fach Geographie mit der Geologie/Petrographie (insbesondere der Schweiz) begonnnen.
Dabei hat ein Mitschüler folgende Frage gestellt: Warum findet sich Gold häufig in Quarzadern eingeschlossen? Unser Lehrer meinte, dass es durchaus Gründe gebe, es würde aber zuviel Zeit kosten, die Frage im Unterricht zu beantworten, und wir würden später vielleicht nochamls darauf zurückkommen.
Weiss jemand von euch etwas dazu?
Ich danke euch im Voraus für eure Hilfe.

Herzliche Grüsse
Carina
"Le monde a commencé sans l'homme et il s'achèvera sans lui."
-Claude Levi-Strauss
Carina
 
Beiträge: 45
Registriert: Donnerstag 11. August 2011, 19:02
Wohnort: Region Basel/Schweiz

Re: Gold in Quarzadern

Beitragvon tepui » Montag 22. August 2011, 13:12

Hallo Carina,

Versuch's mal hier mit:
http://timms.uni-tuebingen.de/Browser/Browser01.aspx?path=%2fUniversit%c3%a4t+T%c3%bcbingen%2fMathematisch-Naturwissenschaftliche+Fakult%c3%a4t%2fGeowissenschaften%2fMineralogie+und+Geodynamik%2fVorlesung+Dynamik+der+Erde+WiSe+2010-2011%2f
Es handelt sich um die Aufzeichnung einer einführenden Geologie-Vorlesung der Uni Tübingen aus dem WiSe 2010/11. In den Stunden 57 und 58 wird u.a. auf matallische Rohstoffe, darunter auch Gold, eingegangen.

Ausserdem hab ich Dir noch eine PM geschrieben.
Gruß,
tepui
(auch bei http://www.geoversum.de/forum/)
tepui
 
Beiträge: 127
Registriert: Donnerstag 22. März 2007, 14:19

Re: Gold in Quarzadern

Beitragvon christian_b219 » Mittwoch 24. August 2011, 22:36

Nunja ich fürchte da handelt es sich schlichtweg um eine Verlegenheitslüge selbst jemand der wie ich im Hauptfach Geographie und Geologie & Mineralogie im Nebenfach studiert oder studiert hat kann dir dazu aus dem Stand nur eine sehr grobe vermutlich für dich unbefriedigende Antwort liefern und es gibt Geographie Lehrer die kommen in ihrem gesamten Studium ohne einen einzigen geologischen Schein aus, es übersteigt schlichtweg bei weitem den Wissenshorizont eines Lehrers.

Meine Standardantwort auf deine Frage wäre Gold gibt es generell überall ABER natürlich nur in sehr kleinen Mengen daher sucht man nach Prozessen welche Gold konzentrieren können ganz grob beschrieben wird das Gold irgendwie mobilisiert und dann vom Rest getrennt das kann zb in Flüßen passieren. Zu solchen Prozessen kommt es auch wenn sich Magma abkühlt oder über hydrothermale Lösungen. Das ist kurz und knapp eine Antwort die ich dir wie bereits gesagt so aus dem Stand heraus geben würde.

In einem Buch nachgeschlagen:
Es handelt sich bei den orogenen Gold Quarzgängen in erster Linie um hydrothermale Vererzungen. In Folge einer Gebirgsbildung stieg der geothermische Gradient und Lösungen wurden mobilisert welche mit Temperaturen zwischen 300°-600°C sehr große Strecken zurücklegen können, die aus diesen Fluiden entstandenen Gänge enthalten Goldgehalte bis maximal 15 gramm pro !_Tonne_!

Diese hydrothermalen Lösungen enthalten sehr unterschiedliche chemische Komponenten und ich würde behaupten man kann letztlich nicht über einen Kamm scheren unter welchen Bedingungen letztlich Gold in diesen Lösungen nicht mehr stabil ist und daher ausfällt da man über die Lösungen an sich nicht viel weiss und diese vermutlich ziemlich unterschiedlich sind. Um auf das Beispiel mit dem Fluß zurückzukommen hier sind beispielsweise bei sehr großen Strömungen sehr große Korngrößen transportierbar nimmt die Fließgeschwindigkeit ab fallen die größeren Korngrößen wie zB grobe Sande aus und sedimentieren im Flußbett ähnlich muss man sich das auch mit den hydrothermalen Lösungen vorstellen nur dass die Transportfähigkeit hier an Chemismus und Temperatur gebunden ist.

ich hoffe ich habs nicht zu unverständlich formuliert...
christian_b219
 
Beiträge: 155
Registriert: Donnerstag 22. Januar 2009, 19:19
Wohnort: Würzburg

Re: Gold in Quarzadern

Beitragvon Carina » Freitag 26. August 2011, 13:05

Hallo ihr beiden,

danke für eure Antworten. Wenn ich Zeit habe, schaue ich mir noch die Vorlesungen an.
Christian_b219, so unverständlich hast du nicht formuliert. ;)
Du hast recht, die Antwort ist schon ein wenig mager, aber wirklich besser als gar nichts. Es ist schonmal ein erster Schritt.
Dürfte ich, einfach aus Neugier, fragen, in welchem Buch du nachgeschlagen hast?

Herzliche Grüsse
Carina
"Le monde a commencé sans l'homme et il s'achèvera sans lui."
-Claude Levi-Strauss
Carina
 
Beiträge: 45
Registriert: Donnerstag 11. August 2011, 19:02
Wohnort: Region Basel/Schweiz

Re: Gold in Quarzadern

Beitragvon christian_b219 » Montag 29. August 2011, 00:59

Carina hat geschrieben:Du hast recht, die Antwort ist schon ein wenig mager, aber wirklich besser als gar nichts. Es ist schonmal ein erster Schritt.
Dürfte ich, einfach aus Neugier, fragen, in welchem Buch du nachgeschlagen hast?


"Es handelt sich bei den orogenen Gold Quarzgängen in erster Linie um hydrothermale Vererzungen. In Folge einer Gebirgsbildung stieg der geothermische Gradient und Lösungen wurden mobilisert welche mit Temperaturen zwischen 300°-600°C sehr große Strecken zurücklegen können, die aus diesen Fluiden entstandenen Gänge enthalten Goldgehalte bis maximal 15 gramm pro !_Tonne_!" Das war aus dem Okrusch Mineralogie S.324 kann man via Buchvorschau auch auf amazon anguggn http://www.amazon.de/Mineralogie-Einf%C ... 386&sr=8-1 Das Buch ist ein Standardwerk für Mineralogen aber auch Geologen allerdings für unsachkundige teilweise recht schwer verständlich.

ich glaube ich habe auch noch eine zusätzliche Antwort die mir so selbstverständlich war dass ich nicht daran dachte dass dies für jemanden anders nicht klar sein könnte... deine Frage zielte evtl. darauf ab warum die Gänge aus Quarz bestehen. Quarz oder besser SiO2 ist das häufigst vorkommende Molekül in der Erdkruste das ausserdem einen ziemlich geringen Schmelzpunkt hat der nocheinmal heruntergesetzt wird wenn Fluide im Spiel sind, deshalb handelt es sich um Quarzgänge, da die Temperatur zu niedrig ist für richtige magmatische Prozesse sprich höher prozentige Gesteinsschmelzen welche dann auch zu größeren prozentsätzen aus anderen Elementen bestehen würden.
christian_b219
 
Beiträge: 155
Registriert: Donnerstag 22. Januar 2009, 19:19
Wohnort: Würzburg

Re: Gold in Quarzadern

Beitragvon Carina » Montag 29. August 2011, 12:34

Hallo christian_b219

Herzlichen Dank nochmal für deine Antwort!

Liebe Grüsse
Carina
"Le monde a commencé sans l'homme et il s'achèvera sans lui."
-Claude Levi-Strauss
Carina
 
Beiträge: 45
Registriert: Donnerstag 11. August 2011, 19:02
Wohnort: Region Basel/Schweiz

Re: Gold in Quarzadern

Beitragvon Varus » Montag 29. August 2011, 17:09

Hallo,
die Sache ist auf den ersten Blick sehr befremdlich, da man Quarz als sehr widerstandsfähiges Mineral kennt, nichts ist morphologisch so resistent wie ein Quarzitrücken, so lernt man das in der Geomorphologie. Vor allem löst er sich praktisch nicht auf - an der Erdoberfläche. Wie Christian schon richtig dargestellt hat, ist das unter hydrothermalen Bedingungen völlig anders, da kann er sich gut auflösen und an anderen Stelle auch wieder kristallisieren, so entstehen die schön ausgebildeten Bergkristalle mit ihren natürlichen Kristallflächen. Bei Normaldruck/-temperatur kann das gar nicht entstehen. Gold ist aber auch unter hydrothermalen Bedingungen nicht oder kaum löslich, es kann sich also in der hydrothermalen Lösung als Feststoff bewegen und anreichern, wobei auch seine große Dichte eine Rolle spielen dürfte. So etwa könnte man sich das vorstellen.

[quote="Carina"]Unser Lehrer meinte, dass es durchaus Gründe gebe, es würde aber zuviel Zeit kosten, die Frage im Unterricht zu beantworten, und wir würden später vielleicht nochamls darauf zurückkommen.[/quote]
Das halte ich ebenfalls für eine Verlegenheitsantwort. Ihr werdet nur dann noch mal darüber sprechen, wenn Du (!) darauf zurück kommst.
@ Christian
[quote="christian_b219"] es gibt Geographie Lehrer die kommen in ihrem gesamten Studium ohne einen einzigen geologischen Schein aus, es übersteigt schlichtweg bei weitem den Wissenshorizont eines Lehrers.[/quote]
Das hört sich so an, als hättest du ein Feindbild vor Augen?!? ;)
Varus
 
Beiträge: 147
Registriert: Donnerstag 11. Februar 2010, 15:15

Re: Gold in Quarzadern

Beitragvon christian_b219 » Montag 29. August 2011, 23:10

Varus hat geschrieben:@ Christian
christian_b219 hat geschrieben: es gibt Geographie Lehrer die kommen in ihrem gesamten Studium ohne einen einzigen geologischen Schein aus, es übersteigt schlichtweg bei weitem den Wissenshorizont eines Lehrers.

Das hört sich so an, als hättest du ein Feindbild vor Augen?!? ;)


Naja meinen ehemaligen LK Lehrer :-D es geht mir hier auch nicht nur speziell um die Geologie es gibt da solche und solche Leute. N Freund von mir Realschullehramt geo engl. bei dem hab ich tiefsten Respekt was der an geographischen Grundwissen hat, aber die Mehrheit hat das leider nicht. Da ist man oft schon froh wenn man was von Andosol zu hören bekommt und die meinen es ginge um Andesit. Aber gut ich war neulich auf ner Didaktik Exkursion und da dachte ich mir schon ab und an "oh man was erzählt der denn da... soll ich den jetzt weiter reden lassen???" in der Regel hab ich ihn/sie weiterreden lassen, derartiges nehmen einen die Leute nämlich gerne übel.

Im übrigen wird bei hydrothermalen Lösungen Gold wirklich mindestens teilweise aufgeschmolzen... zumindest hat hydrothermales Gold eine ganz charakteristische Form weitgehend frei von Rundungen wie es sie geben müsste wenn es so ablaufen würde wie du es beschreibst. Ebenjene ist vorne auf dem Okrusch abgebildet http://www.amazon.de/Mineralogie-Einf%C ... 386&sr=8-1

Edit: Ok vll auch nicht im Evans Erzlagerstättenkunde ist von "Lösung" die Rede, weiter "man nimmt an, daß die Metalle als komplexe Anionen transportiert werden"... irgendwie schwer vorstellbar mit Gold...
christian_b219
 
Beiträge: 155
Registriert: Donnerstag 22. Januar 2009, 19:19
Wohnort: Würzburg

Re: Gold in Quarzadern

Beitragvon Carina » Donnerstag 1. September 2011, 21:37

Hallo zusammen

Nochmals danke für eure Antworten und Verweise auf Bücher. Kennt ihr vielleicht noch mehr zu dem Thema, oder müsste man sich da einfach tiefer in die entsprechende Wissenschaft einarbeiten?
(Was das Didaktische, kurz am Rand, angeht: Als Schülerin hab ich das auch schon ganz allgemein, in verschiedenen Fächern, oder vielleicht besser, mit verscheidenen Lehrpersonen, in der Oberstufe erlebt (auch mit dem Geographielehrer), dass jemand die Klasse und/oder den Stoff nicht im Griff hat, und jetzt am Gymnasium ist es nur wenig besser. Wenn du, Christian, über das geographische Grundwissen sagst, "die Mehrheit hat das leider nicht", woran liegt das? Geographie war dort noch ein Auswendiglernfach, was ich absolut nicht ausstehen kann. Das hat sich doch geändert? Ich hab das Gefühl, dass man in der Geographie Wert darauf legt, den Schülern etwas beizubringen, das ihnen etwas nützt, auch Methoden usw. Liegt aber vielleicht auch nur an meinem Eindruck, weil ich jetzt das Glück habe, mit einem brillianten Geolehrer gesegnet zu sein. ;). Gern auch per PN, damit wir hier nicht zu sehr vom Theam abweichen ;) )
Noch eine Frage: Ist das dann auch so, dass man verstärkt in der Nähe von Quarzadern nach Gold sucht?

Herzliche Grüsse und noch einen schönen Abend!
Carina

Edit: rechtschreibfehler
"Le monde a commencé sans l'homme et il s'achèvera sans lui."
-Claude Levi-Strauss
Carina
 
Beiträge: 45
Registriert: Donnerstag 11. August 2011, 19:02
Wohnort: Region Basel/Schweiz

Re: Gold in Quarzadern

Beitragvon christian_b219 » Samstag 3. September 2011, 02:47

Carina hat geschrieben:Kennt ihr vielleicht noch mehr zu dem Thema, oder müsste man sich da einfach tiefer in die entsprechende Wissenschaft einarbeiten?

nunja ich würde dir empfehlen die entsprechenden Stellen im Okrusch und Evans zu lesen, falls das neue Fragen aufwirft kannst du natürlich gerne nachfragen (speziell der Okrusch is für Einsteiger schwer zu lesen).
Carina hat geschrieben:Wenn du, Christian, über das geographische Grundwissen sagst, "die Mehrheit hat das leider nicht", woran liegt das? Geographie war dort noch ein Auswendiglernfach, was ich absolut nicht ausstehen kann. Das hat sich doch geändert? Ich hab das Gefühl, dass man in der Geographie Wert darauf legt, den Schülern etwas beizubringen, das ihnen etwas nützt, auch Methoden usw.

Da muss man denke ich auch mal ganz klar sagen das liegt auch daran dass die Geographie an sich einfach schon extrem breit gefächert ist.
Carina hat geschrieben:Noch eine Frage: Ist das dann auch so, dass man verstärkt in der Nähe von Quarzadern nach Gold sucht?

nunja Quarzadern an sich sind jetzt nicht so selten, ich denke man sucht eher nach Spuren von hydrothermalen Prozessen was das genau ist kann ich dir aber nicht sagen. Im übrigen ist für die größte Goldlagerstätte in Südafrika das primäre Gestein aus dem das Gold stammt überhaupt nicht mehr erhalten, der Ort ist praktisch aus heutiger Sicht überhaupt nicht auffindbar aufgrund der aussenrum existierenden Gesteine
christian_b219
 
Beiträge: 155
Registriert: Donnerstag 22. Januar 2009, 19:19
Wohnort: Würzburg

Nächste

Zurück zu Geomorphologie

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast