Fiederblätter

Hier haben die Öko´s mit geographischen Hintergrund ihr Chance Fragen zu stellen :-). Stichworte zu diesem Themengebiet sind: Arealkunde, Biodiversität, Wechselwirkungen und Nachhaltigkeit.

Fiederblätter

Beitragvon corvus corax » Sonntag 19. Juni 2005, 12:06

hallo allerseits!

in einer vorlesung bekam ich letztens die behauptung vorgesetzt, dass fiederblättrigkeit bei pflanzen eine anpassung an trockenheit ist. nun scheint mir das recht zweifelhaft, weil schließlich alle möglichen pflanzen fiederblätter entwickelt haben, ohne dass daraus eine eindeutige adaption der betreffenden arten an trockenere standorte abzuleiten wäre (bsp. esche: wächst zwar auch auf trockenen kalkkuppen, aber eben auch in auen).

umgekehrt weiß ich aber auch nicht zu sagen, worin eigentlich überhaupt der vorteil der fiederblätter liegt. ein fiederblatt stellt ja morphologisch eine reduktion der blattspreitenfläche dar, oder? dadurch wird aber auch jedes jahr die feinverzweigung weggeworfen.

was meint ihr dazu?
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Beitragvon Swordfishtrombones » Montag 11. Juni 2007, 04:44

Tach auch,

das Beispiel der Esche ist schon kein schlechtes. Wie du schon festgestellt hast kommen Eschen sowohl auf trockenen Flächen als auch in Auen vor.

However, mir fallen im ersten Moment wesentlich mehr fiederblättrige Pflanzen aus wärmeren Klimaten ein als aus den gemäßigten. Das muss aber nicht heißen, dass das automatisch was mit Anpassung an Trockenheit zu tun hat. Wenn ich mir einige dieser Pflanzen anschaue stelle ich fest, dass sie sogar extrem hydrophil sind.

Hydrophil sind unter anderem:
    Mandschurische Esche (Baum)
    Schwarz Esche (Baum)
    Echte Waldrebe (Liane, verholzend)
    Geweihbaum (Baum)
    Schmalblättriger Merk (krautig)
    viele Farne (z.B. Rippenfarn)
    Waldsauerklee (krautig)
    Sagopalme (Baum)



Davon unabhängig gibt es unzählige Schirmakazien (z.B. in Südamerika) die durchaus in feuchten Gebieten stehen. (eigene Beobachtung)

Cycas-Palmfarne hingegen können in ausgesprochen trockenen Gegenden leben, wo sie aber nur saisongrün, also blattlos sind.

Daher würde ich sagen, dass es sich bei den Fiederblättern nicht unbedingt um eine Anpassung an Trockenheit (in dem Fall dann hohe Temperaturen und hohe Verdunstungsraten) handelt. Es ist allerdings richtig, dass auf Grund von Turgorschwankungen, die in direktem Zusammenhang zur Temperatur und damit Verdunstung stehen, Mimosen und auch Schirmakazien ihre Fiederblättchen zusammenfalten können. Das ist einSchutzmechanismus, der sich aber nicht auf Fiederblätter verallgemeinern läßt.

Gruß,
Thomas
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