gibt es ein gutes gleichgewicht zwischen lehren und forschen

Für einen besseren Geographieunterricht an deutschen Schulen :-)

Beitragvon Arno » Dienstag 25. Januar 2005, 13:01

Da das alles Pseudonyme und Aliase sind, denke ich, dass niemand persönlich beleidigt ist (außer Glimmerschiefer natürlich ;) ) und dann macht's mir einfach Spaß.
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Beitragvon glimmerschiefer » Dienstag 25. Januar 2005, 14:24

is aber gemein, wenn du nur so einen allerweltsnamen hast arno, da lässt sich nicht wirklich viel mit anstellen - außer man bleibt auf weitergehenden infos kleben. ;)


nun ja, um mal wieder etwas näher an das ursprüngliche thema heranzurücken: ich trauere halt ein wenig den zeiten hinterher, als noch die didaktische ausbildung eines hochschuldozenten obligatorisch war und frage mich irgendwie auch, ob man im sinne der vorantreibung von(grundlagen-)forschung auf die fähigkeit zur ausbildung einer neuen generation von forschern, lehrern, etc. verzichten sollte bzw. letztere in den hintergrund abgleiten lassen sollte. sicher ist es (oberflächlich betrachtet) einfacher, wissenschaftliche arbeit zu quantifizieren als ein geeignetes maß für eine gelungene ausbildung von studenten zu finden. so aber sehe ich ein wenig die gefahr, dass das ohnehin schon m.e. dürftige niveau der ausbildung noch weiter absackt und sich niemand wirklich daran anstößt.
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Beitragvon Arno » Dienstag 25. Januar 2005, 14:56

die guten alten Zeiten hatten wir im Forum schon mehrmals. Was aber die didaktische Ausbildung von Hochschullehrern betrifft, so hat es die nie gegeben - eine solche war in keinem mir bekannten Universitätensystem je obligatorisch.

Inwiefern Du die Bewertung wissenschaftlicher Leitungen für einfach hältst, und wie Du Dir das vorstellst, würde mich interessieren. Ist nicht die Bewertung der Lehrleistung (mittels Evaluation) viel einfacher?

Für den Fall, dass Lehrende mitlesen, wäre es vielleicht ganz hilfreich und weiterführend, wenn Du Deinen allgemeinen Unmut etwas präzisieren könntest: Was müsste denn Deiner Meinung nach in der Hochschullehre besser gemacht werden?

Wenn, wie Du beklagst, die Lehre zu forschungslastig geworden ist (hab' ich das so recht verstanden?), wieso nennst Du dann eine "neue Generation von Forschern" an erster Stelle unter den "Erzeugerzielen" der Universität? Wie willst Du Forscher ohne Forschung ausbilden?
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Beitragvon glimmerschiefer » Dienstag 25. Januar 2005, 19:20

stimmt, die guten alten zeiten sind bereits mehrfach durchgekaut worden. wenn der didaktischen ausbildung nicht so ist, war ich bis jetzt falsch informiert (in diesem falle dank für den hinweis). dennoch scheint mir der umgang mit der lehre ein anderer geworden zu sein. vielleicht liegt das aber auch daran, dass die in dresden emeritierten profs bereits mehrere dekaden lehre auf dem buckel hatten und von dieser seite aus betrachtet souveräner damit umgingen.
ich halte die bewertung wissenschaftlicher leistungen für alles andere als einfach. deshalb der zusatz "oberfläch betrachtet". im gegenteil, wenn man von der mittlerweile umgreifenden meinung, leistung nach der menge an publikationen zu honorieren, ausgeht, wird man wie ich denke eine gegenteilige wirkung erreichen als gewollt. ich meine, das experiment, durch quantität (publikationszahlen) auf qualität zu schließen kommt einem "auswürfeln" der vermuteten (forschungs-)leistung nahe. - mann waren das jetzt viele kommata.
hinzu kommt sicherlich noch eine art lobbyismus, der es etablierten wissenschaftlern wesentlich einfacher macht, zu publizieren als "greenhorns".
was die bewertung der "lehrleistung" betrifft, stehe ich den evaluationen eher etwas kritisch gegenüber. studenten (wie auch ich einer bin) sind doch alles andere als objektiv den bewertungskriterien gegenüber. man ist ja nicht blind und taub den meinungen anderer studenten gegenüber (v.a. höheren semestern). wie sonst kann ich mir erklären, dass z.b. in dd die geoinformatikseminare recht negativ bewertet werden obwohl in anschaulicher weise sehr viel wissen vermittelt wird? auf der anderen seite muss ich fragen, wieso generell schlecht bewertete vorlesungen (z.b. geoinfo ii oder entwicklungsländer) sich nicht ändern und das über jahre hinweg? da fragt man sich doch mitunter nach dem sinn und zweck der evaluationen. ok, ich gebe auch hier zu, in manchen bereichen bewusst überspitzt zu haben.
ich glaube, viel mehr präzisieren kann ich hier nichts. denn alles was tiefer gehen würde, wäre doch schon sehr uni-intern - in meinem/unseren falle also die tu dd betreffend. und da würde ich mir eher wünschen, dass mal irgendwo im gebäude ein "rotes buch der meckerei" ausliegen würde, in das jeder student seinen unmut über vorlesungen, dozenten, studienordnungswahn, etc. eintragen kann und das allen zugänglich ist. denn damit könnte sich doch jeder individuell und unerkannt informieren und mitteilen. aber das ist nur so eine idee... doch wer weiß...
ich meinte nicht, dass die lehre zu forschungslastig geworden ist. schließlich bleibt das vom hochschullehrer zu haltende stundenvolumen gleich. ich beklage eher die art und weise wie die "stunden der wissensvermittlung" an den studenten vorbeiziehen.
eine neue generation von forschern (aber nicht nur forschern) will doch aber auch gut ausgebildet werden. dazu gehört jedoch in erster linie ein solides grundwissen. und dieses bedarf nicht unbedingt einem "forschungswütigen" dozenten sondern eher einem "guten lehrer". erst ab dem hauptstudium sollte verstärkt auf die methodenlehre eingegangen werden und da kommt dann der spezialisierte vortragende besser zur geltung. ok, auch hier mag ich wieder sehr stark polarisiert haben, ich bitte daher um nachsicht :)
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Beitragvon MisterX » Mittwoch 26. Januar 2005, 13:31

Etwas verspätet - an Geogräfin:
Ich stimme dir vollkommen zu.

An Glimmerschiefer:
Wenn ich das richtig verstanden habe, hat es bei euch einen oder mehrere Wechsel auf Professuren gegeben.
Bist du dir sicher, dass das, was du vorher an Lehre erlebt hast, stellvertretend für "die alte Zeit" der Geoographieausbildung war? Und dass das, was jetzt läuft (wie immer es auch im Detail aussehen mag), typisch für die "heutige Zeit" ist?
Mein Studium liegt schon ein paar Wochen zurück; da gab es - genau wie heute - "solche und solche"; gute und schlechte Vortragende/Seminarleiter/Didaktiker. Das korrelierte übrigens nicht mit deren Qualität als Forscher. Ich will damit keinesfalls die didaktischen Eignungen als unbedeutend hinstellen; aber ich bin der festen Überzeugung, dass hohe Lehr- und Forscherqualitäten sich nicht ausschließen müssen. Im Gegenteil, ich glaube, ein guter Wissenschaftler kann auch das "solide Grundwissen" besser ("lebensnäher", problemadäquater...) vermitteln als der reine Lehrer, der von der Forschungspraxis unbeleckt ist.
erst ab dem hauptstudium sollte verstärkt auf die methodenlehre eingegangen werden

Das kann ich so auf keinen Fall unterschreiben (ok - es bleibt im Dunkeln, was du mit "verstärkt" meinst). Ein Student muss so früh wie möglich darüber aufgeklärt werden, wie Erkenntnisse gewonnen werden (können) und welche Beziehungen zwischen den "Wahrheiten", die vermittelt werden (im Studium, in Medien etc.), und der "Erarbeitung" dieser "Wahrheiten" bestehen. Sonst wird (oder bleibt) er womöglich unkritisch gegenüber dem, was andere ihm vorsetzen.

und da würde ich mir eher wünschen, dass mal irgendwo im gebäude ein "rotes buch der meckerei" ausliegen würde, in das jeder student seinen unmut über vorlesungen, dozenten, studienordnungswahn, etc. eintragen kann und das allen zugänglich ist

Eigeninitiative! Nicht warten, bis andere den roten Teppich - sorry - das rote Buch auslegen!
Wobei - der Ausgewogenheit halber sollte das Buch eine grüne Hälfte haben, in das auch das Lob kommt ... auch Lehrkräfte sind dafür empfänglich und brauchen (wenn gerechtfertigt) auch die positive Rückmeldung. Wie so oft im Leben, werden die positiven Seiten (hier: der Ausbildung) von vielen stillschweigend "hingenommen", die schlechteren aber manchmal in der Artikulation überhöht.
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Beitragvon MisterX » Mittwoch 26. Januar 2005, 15:20

Eine Sache hab ich eben ganz vergessen:
Beim Vergleich "gute alte Zeit" mit "schlimmes Heute" (ich übertreibe ein wenig) bezüglich der Qualität der Ausbildung sollte man vielleicht auch nicht ganz außer Acht lassen, dass an der Ausbildung 2 Parteien beteiligt sind: Ausbilder und Auszubildende. Die Ansprüche der Adressaten von Lehrbemühungen ändern sich auch (das beziehe ich jetzt weder speziell auf Glimmerschiefer, noch soll es eine pauschale "Schuldzuweisung" an Studenten im Allgemeinen sein). Damit meine ich sowohl die Ansprüche an Inhalte, als auch Ansprüche an die Methoden und Instrumente der Wissensvermittlung. Und auch das "Startkapital" der Auszubildenden (Vorwissen, Kenntnisse, Fertigkeiten ...) ist nicht zeitlich konstant - sofern man den zahlreichen Klagen in Funk, Fernsehen und Presse glauben darf, wird da manches eher schlechter als besser (aber soweit ich das richtig verfolgt habe, ist dieser Punkt in diesem Forum unter einem anderen Thema schon vor einiger Zeit mal konträr diskutiert worden), und wenn es nicht schlechter wird, dann verlagern sich zumindest die Gewichte verschiedener Qualitäten.
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Beitragvon glimmerschiefer » Mittwoch 26. Januar 2005, 23:21

richtig verstanden :) vor einiger zeit gab es umbrüche in der geographie in dd. die neubesetzung dreier lehrstühle bzw. mittlerweile professuren stand an und dauert noch bis heute.
was die repräsentativität der drei "älteren" herren und ihre lehre angeht, kann ich nicht beurteilen. ich kenne nur diese. allerdings hatte ich bei keinem der drei das gefühl, die lehre hätte einen untergeordneten stellenwert. im gegenteil. wie das nun zu bewerten ist sei dahingestellt. stellvertretend für die "alte zeit": auch hier kann ich nur spekulieren. ich weiß nur, dass sich der stil und die einstellung (so wie ich dies subjektiv empfunden habe), wie eine lehrveranstaltung zu halten sei nach der umbesetzung der lehrstühle z.t. krass geändert hat - wie ich behaupten würde nicht immer zu guten !!!
während bei der alten generation noch alles aus einem guss war (siehe die andere diskussion über medien in vorlesungen) muss ich heutzutage in vorlesungen feststellen, dass ein und dasselbe bündel vergilbter folien durch drei vom titel her unterschiedliche vorlesungen geistert. also ich finde das nicht wirklich angebracht (ok, ich wiederhole mich ;) ).
ähnlich wie du sehe ich den fakt, dass sich gute lehr- und forschertätigkeiten nicht ausschließen müssen. auch dafür gibts wowohl in der "alten" wie in der "neuen" zeit beispiele. wenn man eine bewertung überhaupt anstellen kann...

mit verstärkter methodenlehre meine ich im hauptstudium angelegte vertiefungsveranstaltungen, größere belegarbeiten, praktika, geländetage, etc. hier sollte sich die ausbildung dann viel spezieller und tiefgehender mit einem konkreten gebiet der bspw. physischen geographie beschäftigen. und da könnten die "guten lehrer" mit ihrem überragenden allgemeinwissen (überspitzt ausgedrückt) an ihre grenzen stoßen.

mit deinem letzten beitrag sind wir nun bei einem aktuellen grundproblem hier in deutschland angelangt. alle verantwortung und initiative auf andere abwälzen. ok, ich denke da darf ich mir auch an die eigene nase fassen. aber immerhin habe ich es jetzt öffentlich gepostet und somit einer breiteren öffentlichkeit zugänglich gemacht - mich also (s.o.) aus der eigenen verantwortung gestohlen ;)

na vielleicht geht ja das lehrpersonal mit gutem beispiel voran ????? :P
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Beitragvon MisterX » Donnerstag 27. Januar 2005, 12:43

na vielleicht geht ja das lehrpersonal mit gutem beispiel voran ?????

wie meinst du das? soll das lehrpersonal ein rotes mecker-buch auslegen, in dem andere lehrpersonen ihren unmut über die studenten kundtun können? :P
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Beitragvon Arno » Donnerstag 27. Januar 2005, 16:36

ein und dasselbe bündel vergilbter folien durch drei vom titel her unterschiedliche vorlesungen
Selbst darüber kann man geteilter Meinung sein. Vielleicht hat der betreffende Prof die Erfahrung gemacht, dass er alles, was ihm wichtig ist, drei mal erzählen muss, bis es ins Langzeitgedächtnis eingedrungen ist.
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Beitragvon Bergpartisan » Mittwoch 16. Februar 2005, 22:09

Ist es nicht in Frankreich so, dass es Prof’s für Lehre und welche für Forschung an einem Institut gibt? Gut, inoffiziell wird dies sicher in Deutschland auch praktiziert. Aber ist dies eine gute Möglichkeit eine Qualitative Lehre per se zu garantieren? Hängt sicherlich auch von gesellschaftlichen Grundeinstellungen ab, welcher lehrende Prof will schon gerne die neuesten Publikationen aus dem Zimmer gegenüber auf den Tisch bekommen ohne sich revanchieren zu können. Hat jemand der Anwesenden denn Erfahrungen mit dem französischen System, oder täuscht mich gar die Stimme des DLF in meinem Gedächtnis und ich liege mit meiner Aussage falsch?
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