Stauwasser vs Grundwasser + Bodentyp

Vom Ranker über die Braunderde bis zum Podsol. Hier dreht sich alles um die Bodenkunde.

Stauwasser vs Grundwasser + Bodentyp

Beitragvon Coksacola » Mittwoch 1. September 2010, 18:40

Moin zusammen!

Habe folgendes Problem...
Ich sitze an meiner BA und muss dafür u.a. Bodentypen bestimmen, um später ggf Rückschlüsse auf paläoklimatische Umweltbedingungen ziehen zu können.
Im Anhang befinden sich 4 bilder der zu analysierenden Bohrkerne.

Borhkern 2,3 und 7 sind von einem Schwemmfächer, Bohrkern 8 wurde nahe eines Schlucklochs und Flusses gezogen.

Meine Vermutungen sind, dass es sich bei den Bohrkernen 2,3 und 7 um Stauwassereinfluss handelt. Ab einer Teufe von 3m färben sich die Kerne von braun nach gelblichrot, was meines Erachtens auf die Eisenoxide Geothit und Hämatit zurückzuführen ist. Bestätigt wird das durch fallende MagSus-Werte (magnetische Suszeptibilität) --> Oxidation von Magnetit zu Hämatit.
Des Weiteren fallen die Titan-, Aluminium- und Eisenwerte stetig. Ab den gräulicheren Lagen (Bleichhorizont?) sind auch keine Eisen- und Mangankonkretionen mehr erkennbar sowie nur noch vereinzelte orange Fleckungen (Rost). Der Siliziumgehalt nimmt mit der Tiefe weiter zu.
Der Boden wird erst ganz am Ende karbonatisch. In Bohrkern 2 zeigen sich korrelierend mit der Karbonatzunahme erhöhte Strontium und Kaliumwerte. Zudem treten erstmalig Phosphor, Schwefel und hohe Magnesiumwerte auf (bis 35%).

Was würdet ihr dazu sagen? Grundwasser- oder Stauwassereinfluss? Und was würdet ihr sagen, welcher Bodentyp ist vorherrschend? Braunerde mit Pseudovergleyung und bei Bohrkern 8 ein Auenlehm??

Fachmännischer Rat ist angesagt.

Danke im Voraus!
LG

http://www.pic-upload.de/view-6921470/B ... 2.jpg.html
http://www.pic-upload.de/view-6921489/B ... 3.jpg.html
http://www.pic-upload.de/view-6921499/B ... 7.jpg.html
http://www.pic-upload.de/view-6921522/B ... 8.jpg.html
Coksacola
 
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Re: Stauwasser vs Grundwasser + Bodentyp

Beitragvon Arno » Donnerstag 2. September 2010, 14:26

ich vermute mal, man muss die Sonden von oben nach unten lesen? Das Substrat ist ja offensichtlich nicht das des Schwemmfächers. Liegt das Korngrößenmaximum beim Grobschluff? Könntest du ggf. hochauflösende Nahaufnahmen einzelner Partien zur Verfügung stellen? Die Böden sind schon alleine wegen ihrer Mächtigkeit polygenetisch. Interessiert Dich eher der jeweilige Oberflächenboden oder auch die Paläoböden?
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Re: Stauwasser vs Grundwasser + Bodentyp

Beitragvon Coksacola » Donnerstag 2. September 2010, 16:24

Achso, ja, richtig.
Die sind natürlich von oben nach unten und von links nach rechts zu lesen.
Die Bohrkerne 2,3 und 7 wurden schon auf dem Schwemmfächer gezogen, allerdings ist der nicht so wirklich "aktiv".
Der Schwemmfächer befindet sich in einem Polje, welches durch die alpidische Orogenese gehoben wurde. Das ganze Polje befindet sich in einer Depression und wird endorheisch entwässert. Daher akkumuliert auf dem Schwemmfächer immernoch Material, aber natürlich nicht mehr in den enormen Raten.
Mich interessieret der rezente zwar auch, aber der Paläoboden ist das wichtigste an dem Ganzen.
Die Korngröße reicht von von tonig bis fein sandig.
Das Al/ti Verhältnis befindet sich im Spektrum von 11 bis 28 --> also keine/nur bedingte biogene Quelle des Aluminiums.
Strontium nimmt mit Kalzium zu --> Dolomit wude aus Aragonit gebildet.

Wenn du nochmal auf das Foto klickst, wird es etwas größer. Andere Bilder habe ich leider nicht.

LG
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Re: Stauwasser vs Grundwasser + Bodentyp

Beitragvon Arno » Donnerstag 2. September 2010, 21:03

Karst war natürlich eine entscheidende Information. Ich vermute mal, Südrand der Alpen.
Dann muss das intensiv braune bis rotbraune Material natürlich nicht notwendigerweise ein in-situ gebildeter Paläoboden sein, sondern es handelt sich um umgelagertes 'Terra fusca-Material von den Hängen. Trotzdem oder gerade zeigt nur B2 an seiner Basis fluviales Schwemmfächersubstrat, alles andere (in Anbetracht dessen, dass man nur Bilder und keinen Originaleindruck hat natürlich immer mit viel Vorsicht zu genießen!) in allen Profilen halte ich für Bodensediment bzw. Kolluvium, also Substrat der Bodenerosion.
Um mich Deiner Frage zu nähern: Ich sehe in keinem Profil Anzeichen einer Vergleyung. Aber auch insgesamt ist die Hydromorphie alles andere als eindeutig oder gar prächtig. Allerdings erkennt man Pseudovergleyung in Rammkernsonden häufig nicht deutlich, da einige charakteristische Merkmale (insb. Bleichbahnen) von Sd-Horizonten relativ weitabständig sind und nicht notwendigerweise getroffen werden.
In Profil 2 bildet man sich eine leichte Marmorierung (Kennzeichen eines Sd) in Sonde 2(untere Hälfte) und 3(oberes Drittel) ein. Ein zugehöriger Sw fehlt allerdings. Es könnte ein gekappter pseudovergleyter Boden vorliegen, der fon frischem Kolluvium überdeckt wurde. In Sonde 3 (u) und 4 (o) erkennt man schwarze Flecken. Ich bezweifle aber, dass dies Mn-flecken sind, zumal die Kalk-Bröckchen keine Säume aufweisen, sondern würde eher auf Holzkohle tippen; aber das lässt sich optisch nicht sicher entscheiden, ohne das Zeug unter der Lupe angesehen und in der Hand zerrieben zu haben.
In P3 kann ich gar keine halbwegs klaren Indizien für Hydromorphie erkennen. Mit viel Phantasie könnte man in jeden Abschnitt eine Marmorierung hineininterpretieren, das ist aber sehr, sehr vage.
Gleiches Bild in P7, wo zwar in Sonde 2 schwarze Flecken wie in einem Sw zu erkennen sind, die aber wahrscheinlich eher darauf zurückgehen, dass jemand vor dem Photographieren mit dem Messer die Packungsdichte getestet hat (vgl. Sonde 7, wo das sehr deutlich wird). In S2(u) sind allerdings auch ein paar dunkle Streifen zu erkennen, die so nicht zu erklären sind.
P9 zeigt noch weniger Hydromorphie, lediglich in S2(u) eine ganz schwache Marmorierung.
Wenn die Böden also hydromorph überprägt sind, dann sehr schwach und nach dieser Phase der Pedogenese kam es zu einer Erosion und Überschichtung. Die Hydromorphie ist wahrscheinlich nicht rezent.
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Re: Stauwasser vs Grundwasser + Bodentyp

Beitragvon Coksacola » Donnerstag 2. September 2010, 23:08

gut, danke schonmal für deine Einschätzungen.
Das Polje liegt übrigens in Südspanien, Zafarraya (Provinz Granada).
In Bohrkern 2 zeigen sich, wie du sgatest, zwischen 2,8m und 3,5m weiße Körner. Die haben wir im Gelände untersucht, allerdings haben die mit Salzsäure nicht gebraust, daher sind es keine Kalkkonkretionen. Deswegen tippe ich aufgrund des sinkenden Kalium und steigenden Aluminiumgehaltes auf Kaolinit.
Was hälst du denn von der Theorie, dass es sich um einen Pelosol bzw. um eine Pelosol-Braunerde handelt?

Was ich noch nicht verstehe, ist z.B. das Ende des 3. Bohrkerns. Das Profil ist grau, allerdings verändert sich die Konsistenz von sandig zu tonig auf den letzten 10cm. Was bedeutet das?

Hast du noch irgendwelche Hinweise auf die Paläoumweltbedingungen oder wie man die Pleistozän/Holozängrenze erkennen kann?
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Re: Stauwasser vs Grundwasser + Bodentyp

Beitragvon Arno » Donnerstag 2. September 2010, 23:45

Kaolinit lässt sich bei so groben Körnern im Gelände recht gut identifizieren, da er sich unter Druck und Reiben seifig anfühlt. Ist das getestet worden?
Waren die Körner fest? Dann könnte es ja auch Dolomit gewesen sein, der mit kalter HCl nicht schäumt. Denn um Kalonit fluvial als Korn zu transportieren müsste er eigentlich gefroren sein, anders kann ich mir das schwer vorstellen. Ist Röntgendiffraktometrie gemacht worden? An Gips wäre vlt. auch noch zu denken.

Wenn hier die P/H-Grenze überhaupt erreicht ist (halte ich in einer so aktiven Senkungszone und bei der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung, die ich in dem Gebiet vermute, eigentlich für eher unwahrscheinlich), dann könnte es am ehesten der Übergang vom Kolluvium zum echten Schwemmfächermaterial sein, also dort wo die gröberen, sandig und leicht kiesigen Partien anfangen. Allerdings schafft auch die zu vermutende sub-rezente Dynamik in dieser Position Wechsellagerungen mit sandig/kiesigen Sedimenten. Allerdings scheint hier ja kaum Wechsellagerung vorzuliegen; dass die sandigen Partien im wesentlichen immer unten zu finden scheinen, spräche schon für eine einschneidende Veränderung irgendwann in der Vergangenheit. Umgekehrt kann natürlich auch zu Zeiten der Vollaktivität des Schwemmfächers jeder Wechsel in den fluvialen Verästelungen extreme Konrgrößenunterschiede verusrsacht haben, wie bspw. in den untersten 10cm von S3.

Pelosol lässt sich ausschließen, denn der P. ist durch eine deutliche Gefügebildung und durch Hydromorphie geprägt. Gerade das Fehlen eines Aggregat-Gefüges, soweit erkennbar, würde mich zu einer Ansprache als Kolluvisol bringen. Da es sich zumindest bei dem rötlicheren Substrat um Terra-Material handelt, würde ich den Boden als Kolluvisol aus umgelagerten Terra fusca-Material bezeichnen (dass es nach KA5 diese Bodenform vermutlich nicht gibt, braucht Dich nicht weiter zu stören, da in mediterranen Gebieten die deutsche Klassifikation schon außerhalb ihres Gültigkeitsgebiets ist). Aber ohne eigene Ansicht ist diese Aussage höchst kritisch zu sehen.

Ein gewisser Farbrythmus scheint mir darüber hinaus zu erkennen: Die obersten ~2m sind braun stellenweise mit schwachen Pseudovergleyungsspuren, darunter folgt sehr toniges, eher rötliches Material (typ. Terra-Farbe) und darunter in einigen Fällen der Sand. Du weißt sicherlich mehr über die lokale Landschaftsgeschichte als ich und kannst Dir vlt. eine Reim darauf machen (Nutzungsänderungen?). Also mein (unsicheres) Gesamtergebnis: Schwach pseudovergleyte Braunerde aus Kolluvium über Kolluvisol aus Terra-fusca-Material über sandig/schwach-kiesigem Schwemmfächersediment.
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