regolith vs. boden

Vom Ranker über die Braunderde bis zum Podsol. Hier dreht sich alles um die Bodenkunde.

regolith vs. boden

Beitragvon glimmerschiefer » Montag 16. August 2010, 22:51

hallo, da es zu diesem thema anscheinend noch keine beiträge gibt wollte ich mal ganz allgemein in die runde fragen, was ihr von einer definitorischen gleichsetzung der begriffe boden und regolith, im geomorphologischen bzw. auch im (quartär-)geologischen sinne haltet. ist eine parallelisierung haltbar? ist sie sinnvoll? unter welchen rahmenbedingungen sollte man davon absehen bzw. sei sie zulässig?
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Re: regolith vs. boden

Beitragvon felidaris » Dienstag 17. August 2010, 08:17

Hallo glimmerschiefer,

soweit mir bekannt, handelt es sich bei Regolith um eine lockere Decke aus verwittertem Material, also aus rein mineralischen Bestanddteilen. Daher ist es nicht mit Boden gleichzusetzen.
Wenn im Regolith dann aber bodenbildende Prozesse einsetzen (Humusanreicherung, Verbraunung etc.), dann wird aus dem Regolith allmählich ein Boden (erst ein Skeletthumusboden, dann ein Lockersyrosem,...).

Also gleichsetzen würde ich die Begriffe nicht, sonder ehr den Regolith als eine Vorstufe des Bodens bezeichnen.
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Re: regolith vs. boden

Beitragvon glimmerschiefer » Dienstag 17. August 2010, 22:33

hallo,

was aber wenn der regolith im wesentlichen durch pedogene prozesse erst entstehen kann? ok, einen wesentlichen unterschied sehe ich im ausschluss vs der einbeziehung organischer substanz. aber alles weitere sind ja "verwitterungsvorgänge" oder auch pedogenetische prozesse, oder? also gleiche prozesse. nur dass die in anderen lehrbüchern stehen.

aber ich freue mich. genau so eine diskussion wollte/ will ich gern führen. also, nur keine voreilige klärung der sache anfechten. lieber ausdiskutieren, zumal um die uhrzeit. um es etwas provokanter zu gestalten, IN DER HOFFNUNG noch andere in die diskussion zu ziehen: ich wage die hypothese, die abgrenzung der beiden begriffe durch eine die begriffssysteme der bodenkunde und geographie durchschauende person ist alles andere als trivial. natürlich abgesehen von der einbeziehung der organischen auflage. obwohl ich selbst da noch gern mehr diskutieren möchte, aber dazu später mal irgendwann ;-)
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Re: regolith vs. boden

Beitragvon felidaris » Mittwoch 18. August 2010, 09:15

Nun ja, was verstehst du denn alles unter den pedogenen Verwitterungsprozessen?
Die Verwitterung ist ein sehr vielfältiger Begriff ... physikalische, chemische und biologische Verwitterung finden im Gestein und im Boden statt, wobei z.B. die biologische auch schon das Vorhandensein einer Vegetation (und wenns nur Flechten sind) voraussetzt und woran sich dann eine Humusakkumulation anschließen kann. Hier ist die Grenze also schon schwammig, bzw. tendiert für meinen Geschmack in Richtung Boden.

Neben der Verwitterung findet im Boden ja noch ein bischen mehr statt (Auswaschungs- und Einwaschungsprozesse, Entkalkung, Redoximorphie, Podsolierung,...), was für Regolith nicht in Frage kommt (es sei denn, man hat sehr kalkhaltiges Lockermaterial, da kann die Kohlensäure auch so angreifen).

Aber ich stimme dir zu glimmerschiefer, dass die Abgrenzung in der Tat nicht so trivial ist. Vielleicht muss man da auch mal bei der Definition eines Bodens ansetzten. Schließlich sind dessen Initialstadien dem Regolith recht ähnlich.
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Re: regolith vs. boden

Beitragvon andorra » Samstag 5. Februar 2011, 11:53

Regolith entsteht niemals aus pedogenen Prozessen. Regolith entsteht durch (geomorphologische) chemische und physikalische Verwitterungsprozesse. Das diese auch irgendwo nahe der Oberfläche stattfinden hat nichts damit zu tun, dass es pedogene Prozesse wären.

Regoltih ist lockeres in situ Verwitterungsmaterial, wie es z. B. bei der Granitverwitterung (Wollsackverwitterung) entsteht. Dieses Lockermaterial stellt dann natürlich das Material zur Verfügung in dem durch pedogene Prozesse Bodenbildung stattfindet. Pedogene Prozesse definieren sich dadurch, dass die zur Herausbildung einer Bodentyp bildenen Horizontabfolge führen. Im Falle der Granitverwitterung wären dann idealtypischerwiese die pedogenen Prozesse, diejenigen die zur Entstehung eines Podsols führen. Natürlich über mehrere Zwischenschritte.

Unter pedogenen Verwitterungsprozessen würde man Tonmineralneu- und -umbildung verstehen. Tiefgründig verwitterte Böden wie in den Tropen beispielsweise haben fast keine 3-Schicht-TM mehr, diese sind weitgehend zu 2-Schicht-TM (Kaolinit) verwittert. Auch Auswaschungs- und Lessivierungsprozesse können als pedogene Verwitterungsprozesse angesehen werden. Das sind aber alles Prozesse, die in charakteristischen Horizonten erfolgen. Beide Prozessgruppen laufen natürlich oft gleichzeitig und parallel ab. Während im Boden, also der Horizontabfolge A-B-(Cv) (als schematischer Idealtyp) die Prozesse als pedogen bezeichnet werden sollten, sind die im darunterliegenden C-Horizont geomorphologische Prozesse.

In situ ist außerdem beim Regolith eine entscheidende Eigenschaft. Es muss sich um autochthones, also an Ort und Stelle, verwittertes Material handeln. Alles andere wäre Sediment. In der Geologie wird dann oft (aber auch nicht mehr so oft) von Boden als die Sammlung von Regolith und Sediment alles Lockermaterial an der Oberfläche zusammengefasst. Das hängt mit der Betrachtungsweise der jeweiligen Untersuchung zusammen. Wird ein Bohrkern von vielen Metern betrachtet um daran z. B. paläoklimatische Untersuchungen zu machen, ist der renzente Boden (im geographisch-bodenkundlichen Sinn) nur der kleine oberste Abschnitt davon. Daher sprechen sie dann vielleicht lieber vom ganzen Bohrkern als Bodenmaterial. Wobei es bei paläoklimatischen Untersuchungen schon wichtig ist in der Stratigraphie auffindbare Böden bzw. Paläoböden zu erkennen und zu benennen, da diese für Klimarekonstruktionen entscheidende Informationen liefern können.
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Re: regolith vs. boden

Beitragvon Arno » Donnerstag 3. März 2011, 15:26

Frage in die Pyrenäen: Wie definierst Du pedogen, wenn Du Verwitterung ausschließt?
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