Anthropogenetische Naturkatastrophen in China

Seien es Entwicklungsprobleme in Indien, oder der wirtschaftliche Boom und die Marktöffnung in China. Diskussionen rund um Asien finden hier statt.

Beitragvon adelbert » Sonntag 15. März 2009, 22:18

ja richtig, aber selbst innerhalb eines bestimmten wissenschaftlichen Paradigmas (die anerkannten Methoden und Definitionen) müssen Beobachtungen gedeutet und interpretiert werden. und dieses hängt immer mit dem zusammen, wie oder was genau beobachtet wird. Innerhalb einer wissenschaftlichen Theorie, wird immer von der komplexen Wirklichkeit abstrahiert, da sie im vollen Ausmaß gar nicht betrachtet werden kann: "Komplexitätsreduktion". D.h. bei einer Beobachtung werden immer nur bestimmet Sachverhalte beobachtet, die nach bestimmten Kriterien ausgewählt werden. Dadurch werden immer blinde Flecke erzeugt, die ausgeschlossen werden (müssen). Ein anderer Blickwinkel und damit andere blinde Flecken, können daher andere Deutungen und Interpretationen nach sich ziehen. Eine allgemeingültige objektive Sicht, ist demnach nicht möglich, auch wenn bestimmte "Regeln" dies suggerieren sollen.
Das Ganze hat noch weitreichendere Konsequenzen, wenn nicht mal von einem einheitlichen Paradigma gesprochen werden kann, wie z.B. in den Sozialwissenschaften. Dann ist einfach vieles von theoretischen Setzungen abhängig und es kommt auf die Begründungen an, die einen Sachverhalt so oder so erklären.
"Nur wenn, was ist, sich ändern läßt, ist das, was ist, nicht alles." (Theodor W. Adorno)
adelbert
 
Beiträge: 106
Registriert: Samstag 7. Juli 2007, 15:42

Beitragvon Gast » Montag 16. März 2009, 00:05

Das Ganze hat noch weitreichendere Konsequenzen, wenn nicht mal von einem einheitlichen Paradigma gesprochen werden kann, wie z.B. in den Sozialwissenschaften.

Die physische Geographie, um die es hier geht, mit Sozialwissenschaften zu vergleichen, ist mehr als abwegig. Physische Geographie ist eine Wissenschaft, die die reale Welt untersucht. Sozialwissenschaften untersuchen alles, was dem Menschen anhängig ist und das kann freilich nicht objektiv sein.
Ob ein Wirbelsturm allerdings als vom Menschen verursacht und damit philosophisch aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann, um am Ende wissenschaftliche Ergebnisse zu erhalten, halte ich für äußerst, äußerst dünnes Eis (eigentlich ist da gar kein Eis mehr)...


Wenn der Threadsteller Naturkatastrophen untersuchen möchte, kann er dies tun. Aber nicht unter dem Blickwinkel, ob sie "menschengemacht" sind oder nicht. Da wird er spätestens bei der Literaturrecherche scheitern, denn Naturkatastrophen sind nun mal nicht anthropogen verursacht...
Gast
 

Beitragvon NeoXtrim » Montag 16. März 2009, 02:41

warum denn nicht?

sind Hochwasserereignisse nicht häufig nur wirkliche katastrophen, weil der mensch in die flußläufe eingegriffen hat?

sind erdrutsche und lavinen nicht durch abholzung von bäumen bedingt oder eigentlich sogar erst eine katastrophe, weil der mensch an gefährlichen stellen gesiedelt hat und nun davon betroffen ist?


mal davon ab, ich finde es immer furchtbar und teilweise engstirnig, wenn sich naturwissenschaften und geisteswissenschaften nicht miteinander vereinbaren wollen, wenn jede richtung ihr eigenes süppchen kocht, anstatt aus den verschiedenen blickwinkeln neue erkenntnisse zu gewinnen...

und der satz "Sozialwissenschaften untersuchen alles, was dem Menschen anhängig ist und das kann freilich nicht objektiv sein." ist zwar so gesehen richtig, aber ich behaupte, dass auch jede naturwissenschaft nicht objektiv sein kann. nichts kann "echt" objektiv sein. jede sinnliche wahrnehmung, jedes erfahren bspw. von landschaft, von oberflächen, von licht, von wärme etc. ist auch nur eine sinnliche, somit subjektive wahrnehmung. ich glaube es ist ein schlimmer trugschluß zu sagen die naturwissenschaft sei objektiv, also wertfrei und somit ideologiefrei. der mensch wächst immer in einem kulturellen kontext auf, somit ist jedes verständnis von natur auch ein kulturelles konstrukt.

es gibt ein buch, was ich letztens bei ebay ersteigert habe: Harke, H. et al [Hrsg.] (1982): Weltanschaulich-philosophische Aspekte der Physischen Geographie. Gotha.
dort werden themen wie der philosophische materialismus, erkenntnistheorie, objektive dialektik, positivismus etc. behandelt (wenn auch sicher eher in einem sozialistisch-marxistischen kontext). also scheint das thema ja nun nicht unvereinbar und ich glaube philosophische grundkonzepte lassen sich meistens sowohl auf natur- als auch auf geisteswissenschaft anwenden
NeoXtrim
 
Beiträge: 608
Registriert: Dienstag 13. November 2007, 20:06
Wohnort: Halle

Beitragvon adelbert » Montag 16. März 2009, 18:35

Die physische Geographie, um die es hier geht, mit Sozialwissenschaften zu vergleichen, ist mehr als abwegig. Physische Geographie ist eine Wissenschaft, die die reale Welt untersucht.

also meiner Meinung nach, untersuch die physische Geographie das, was die Menschen glauben, was die reale Welt sein könnte. Naturwissenschaftliche Fakten sind immer nur durch eine menschliche Sichtweise ausgewählt, begrenzt, eingeordnet und interpretiert worden, d.h. sie sind genauso menschlich hergestellt worden, wie sozialwissenschaftliche Fakten

Sozialwissenschaften untersuchen alles, was dem Menschen anhängig ist und das kann freilich nicht objektiv sein.

demnach ist Wissenschaft - ob Natur- oder Sozialwissenschaft - generell nicht objektiv - wie ja auch schon NeoXtrim geschrieben hat -, sondern kann allerhöchstens durch vereinheitlichte Regeln (also durch ein wissenschaftliches Paradidma) versuchen, vollkommene Beliebigkeit einzuschränken.
Beispiel: Wer sagt dir, dass es wirklich, also real und objektiv, einen Atomkern oder irgendwelche Neutronen gibt. Das ist ein Arbeitsmodell mit dem sich gerade unter dem gegenwärtigen Stand der Technik gut arbeiten lässt. Scheitert das Modell einmal, wird es angepasst oder verworfen.

Ob ein Wirbelsturm allerdings als vom Menschen verursacht und damit philosophisch aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann, um am Ende wissenschaftliche Ergebnisse zu erhalten, halte ich für äußerst, äußerst dünnes Eis (eigentlich ist da gar kein Eis mehr)...

ich habe nicht Behauptet, dass der Wirbelsturm "philosophisch aus verschiedenen Blickwinkeln" betrachtet werden soll.
Die Betrachtung bezog sich auf eine Unterscheidung von Natur und Umwelt. Oder ob der Mensch ein Teil der Natur ist oder nicht.

Wenn der Threadsteller Naturkatastrophen untersuchen möchte, kann er dies tun. Aber nicht unter dem Blickwinkel, ob sie "menschengemacht" sind oder nicht. Da wird er spätestens bei der Literaturrecherche scheitern, denn Naturkatastrophen sind nun mal nicht anthropogen verursacht...

dann hiermal ein Link zu einem Buch mit dem Titel "Zukünftige Bedrohungen durch (anthropogene) Naturkatastrophen" vom Deutschen Komitee für Katastrophenvorsorge (DKKV)

und außerdem, sind Naturkatastrophen, sowieso nur Katastrophen, weil sie vom Menschen als soche wahrgenommen werden.
"Nur wenn, was ist, sich ändern läßt, ist das, was ist, nicht alles." (Theodor W. Adorno)
adelbert
 
Beiträge: 106
Registriert: Samstag 7. Juli 2007, 15:42

Vorherige

Zurück zu Asien

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste

cron