Counterurbanisierung - Desurbanisierung ???

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Counterurbanisierung - Desurbanisierung ???

Beitragvon Caty » Samstag 1. April 2006, 17:04

Kann mir jemand den Unterschied zwischen Counterurbanisierung und Desurbanisierung erklären?

Aus Wiki konnte ich folgendes entnehmen:

Desurbanisierung = Bevölkerungs- und Beschäftigungsabnahme im gesamten Agglomerationsraum einer Stadt

Counterurbanisierung ist die Abnahme von Bevölkerung und Arbeitsplätzen in großen Städten zugunsten kleinerer Städte und ländlich geprägter Räume

Es kann doch nicht nur der Unterschied darin, bestehen, das sich Desuburbanisierung auf die Agglomeration bezieht und C. "nur" auf die Stadt, oder?

Auch in den einschlägigen Büchern (Heineberg, Fassmann, ...) kann ich keine Unterscheidung finden.
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Beitragvon Caty » Samstag 1. April 2006, 18:43

ha, ich habs soeben selbst gefunden:

"Das Phänomen der counterurbanization ordnet sich [...] als Spezialfall der Desuburbanisierung ein. Desuburbanisierung meint aber nicht nur großräumige Bevölkerungsumverteilung zugunsten ländlicher Peripheriegebiete, sondern schließt die über die Grenzen der Verdichtungsräume hinausgreifende Suburbanisierung (Exurbanisierung) mit ein."

Bähr, Bevölkerungsgeographie, 3.Auflage S.96
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Beitragvon Ukkat » Samstag 1. April 2006, 18:47

Ich hab zwar jetzt gerade kein deutsches Buch zur Hand, aber bei mir stand da in etwa folgendes:

Counterurbanisierung ist im Prinzip das was du beschrieben hast, dass halt die Bevölkerung ins Umland abwandert.
dadurch entstehen commuter villages, also Pendlerdörfer....


ich denke so wie ich das jetzt einschätze,liegt der Unterschied wirklich darin, dass durch C. zusätzlich solche Pendlerdörfer entstehen...
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Beitragvon Starwriter » Samstag 1. April 2006, 20:33

Also im Diercke Wörterbuch steht, dass beide Begriffe gleich gesetzt werden können.
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Beitragvon TCLo » Samstag 1. April 2006, 22:39

Starwriter hat geschrieben:Also im Diercke Wörterbuch steht, dass beide Begriffe gleich gesetzt werden können.


NEIN, das steht da nicht...

DIERCKE-WÖRTERBUCH der Geographie:

Counterurbanization:


Prozeß großräumiger Dekonzentration von Bevölkerung und Arbeitsplätzen infolge von Abwanderung aus Großstädten UND Agglomerationsräumen bei gleichzeitigen Wanderungsüberschüssen in ländlichen und kleinstädtischen Gebieten. C. ist in Ansätzen in einigen stark urbanisierten Industriestaaten zu beobachten und wird als Reaktion auf die Überlastung von Verdichtungsräumen gedeutet.

Desurbanisierung:

Entstädterung: gelegentlich gebrauchte Bezeichnung für eine Umkehr des Prozesses der Verstädterung, bei der in einem Raum die Einwohner- und Beschäftigtenzahlen der Städte und Agglomerationen stagnieren oder abnehmen, während sich das absolute oder anteilige Gewicht der ländlichen Räume vergrößert. Der Begriff wird (JETZT ACHTUNG!) ZUM TEIL mit Counterurbanization gleichgesetzt.



So...

Mein persönlicher Kommentar dazu: Ich sehs so...beide Begriffe vereinen natürlich Folgendes:

- Zuwachs von Wohn und Arbeit auf dem Land / Stagnation oder Rückgang in der Stadt/Agglomeration (HIER kein Unterschied)



Jetzt ist doch die Frage, WOHER die Zuwächse auf dem Land kommen - von außerhalb - vom Agglomerationsraum/bzw. dem Stadtkern - von beidem - aus sich selbst heraus (bspw. Familien mit Kindern auf dem Land, während die Stadt "mehr altert" bzw. sich nicht mehr verjüngt)?



Heineberg geht in der neuesten Auflage seiner "Stadtgeographie" im Kapitel 2.3.4 nur auf "Counterurbanization" ein...

"...sollte nach B. Butzin (1986) eng gefasst werden und sowohl die Suburbanisierung als auch Exurbanisierung UND Desurbanisierung ausschließen."

Ohne jetzt den ganzen Artikel hier runterzubeten, empfehle ich Dir das Kapitel mal zur Durchsicht. Wichtig scheint mir:

"...definitorisch auf einen großräumigen, auf zwischenstädtische Regionen oder nationale Peripherieräume gerichteten Umverteilungsprozeß von Bevölkerung und Arbeitsplätzen beschränkt bleiben..."

Erklärungsansätze: Zunahme der Ruhestandswanderungen, Zunahme der Fernpendler, Dezentralisierung von Arbeitskräften zugunsten der Beschäftigung in ländlichen Räumen


DESURBANISIERUNG ist im Heineberg in Kapitel 3.1.2 vermerkt!

Interessant ist für mich zu bemerken, daß diese Entwicklung TEIL eines Phasenmodells von GAEBE ist.

Ebenfalls hier wichtig der Unterschied zur Suburbanisierung:

"D. bedeutet absolute Bevölkerungs- und Beschäftigungsabnahme im GESAMTEN Agglomerationsraum, da die Zunahme im Umland die Verluste in der Kernstadt nicht mehr ausgleicht."

Hauptgrund wird hier angegeben mit: "geringe Erneuerungsfähigkeit strukturschwacher Räume, auch die geringe Bereitschaft, sich in hoch belasteten Räumen anzusiedeln."



DAS sollte erstmal reichen...
Zuletzt geändert von TCLo am Sonntag 3. Februar 2008, 21:45, insgesamt 1-mal geändert.
http://www.geodok.uni-erlangen.de/ - die Geographische Aufsatzdatenbank
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Beitragvon Ukkat » Samstag 1. April 2006, 23:05

naja man sollte halt Wikipedia nicht vertrauen....war eines der ersten Dinge, die ich in Erdkunde Leistungskurs gelernt hat.
nach wikipedia sind geburtenrate und geburtenziffer nämlich auch das gleiche....

man lernt doch aber nie aus!
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Beitragvon Starwriter » Sonntag 2. April 2006, 09:31

Excusez-moi ! Falsche Angabe meinerseits, war nicht beabsichtigt. War wohl zu vorgerückter Stunde etwas neben der Spur :-?
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