minimaler Stichprobenumfang bei Unternehmensbefragung

Was ist Varianz und wie ermittle ich das arithmetische Mittel mit Hilfe von SPSS oder Excel? Wenn es um Statistikfragen geht, ist man hier genau richtig.

minimaler Stichprobenumfang bei Unternehmensbefragung

Beitragvon zeschi » Donnerstag 21. Februar 2008, 10:35

hallo hallo! ich sitze gerade am Anfang meiner Diplarbeit, komme allerdings momentan nicht weiter u erreiche meinen Betreuer nicht (Urlaub...) vielleicht könnt ihr mir ja weiterhelfen.

und zwar: thema ist grob wissenstransfer, wozu im ersten schritt eine quantitative analyse zu unternehmensstruktur und bedarf nach transfer vorgenommen werden soll. momentan stehen mir etwa die daten von 1400 unternehmen zur verfügung aus dem produzierenden gewerbe und den unternehmensbezogenen DL. Branchengröße ab 10 Beschäftigte. erfahrungsgemäß beträgt die rücklaufquote nicht mehr als 10%.
mein prof hatte mich letzte woche auf die formel zur errechnung des minimalen stichprobenumfachs hingewiesen, die ich bei der bestimmung der GG beachten muss. wird diese formel nicht erfüllt, sind die ergebnisse nicht repräsentativ.
mithilfe einer anderen formel bzw. der kontrollformel der endlichkeitskorrektur von Sachs: n min = N/ 1+[ a² * n] hab ich ausgerechnet, dass mein minimaler stichprobenumfang mind. 311 Unternehmen umfassen muss, was einer rücklaufquote von 22% entsprechen würde.
n = Mindeststichprobenumfang, a = relative Abweichung, N = Grundgesamtheit

bei 1400 Unternehmen:
n min = 1400/ 1+ [0,05² * 1400] = 311,1111111

dies ist absolut unrealistisch, bzw. nicht erfüllbar, daher nun meine frage, wie ich nun weiter vorgehen soll???


- Ist der Rückschluss auf die Grundgesamtheit denn absolute Vorraussetzung für die DUrchführung der Studie??? Unter entsprechender Begründung der Problematik/Methodik könnten ja trotzdem die vorhandenen Befragungsergebnisse verwendet werden… bzw. vergleiche aufgestellt werden...

- Problem ist nach der Formel also die zu kleine GG bzw. die sehr geringe Rücklaufquote (an der ich realistisch gesehen leider nicht allzuviel ändern werden kann)…
Deshalb:
1. die Unternehmen mit 1-10 Beschäftigten reinzunehmen, wird wahrscheinlich aufgrund der noch weniger ausgeprägten Anwortbereitschaft wenig Sinn machen

2. Evt. Wäre esmöglich, die Grundgesamtheit auf über 2500 oder sogar mehr zu erhöhen, indem auch der Befragungsraum vergrößert wird.
würde bedeuten:
o N min = 2500/ 1+ [0,05² * 2500] = 344, 83
o Mindest-Rücklauf bei 2500: 13,7 % (immer noch schwierig…)



ich wäre sehr sehr dankbar, wenn ich ihr weiterhelfen könntet!!!
zeschi
 
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Beitragvon karlmay » Freitag 22. Februar 2008, 17:36

Hallo,

da sind ein paar Dinge, die ich nicht verstehe:
(a) Du sagst, dir stehen Daten von 1.400 Unternehmen zu Verfügung. Wozu berechnest du jetzt eine Stichprobengröße? Was hat es mit der Stichprobe bzw. einer Erhebung auf sich, wenn du doch schon die Information über die Unternehmen hast?

(b) was meinst du damit
... die ich bei der Bestimmung der GG beachten muss.
Es geht doch wohl nicht um die Bestimmung der Grundgesamtheit, sondern des Stichprobenumfangs?

(c) Falls du also eine Befragung o.ä. machen willst (das schließe ich mal aus deinen Ausführungen, obwohl es nirgends explizit gesagt wird außer in der Überschrift): Welche Art von Befragung schwebt dir vor?



Ich würde zwar, was Rücklaufquoten angeht, auch grundsätzlich lieber pessimistisch als zu optimistisch sein; aber pauschal zu behaupten. dass deutlich mehr als 10% Rücklaufquote nicht möglich seien ("22 % - das ist absolut unrealistisch" oder: "13,7 % - immer noch schwierig"), halte ich für überhaupt nicht gerechtfertigt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, um zu versuchen, die Rücklaufquote zu verbessern (z.B. mit vorheriger Ankündigung der Befragung; Erinnerungsschreiben)

Mit der Repräsentativität ist es ohnehin eine Sache für sich. Wenn ich mir deine Ausführungen mal richtig zusammen reime, würdest du alle 1.400 Unternehmen anschreiben/ansprechen/anrufen, und nicht nur 311. Deine Bruttostichprobe betrüge also 100 % (vorausgesetzt, die 1.400 sind wirklich eine Grundgesamtheit). Auf die Zufälligkeit oder nicht-Zufälligkeit der Ausfälle hast du kaum einen Einfluss - selbst wenn 311 Rückantworten kämen, wäre zweifelhaft, ob sie eine Zufallsauswahl der 1.400 stellen würden, oder ob nicht eine systematische Verzerrung vorläge.


- Problem ist nach der Formel also die zu kleine GG
Das ist eine komische Sicht der Dinge - das klingt so, als könnte man mit Vergrößerung der GG die Repräsentativität erhöhen. Das ist ja wohl ein völliger Fehlschluss.

Forschungslogisch ist es ein sehr merkwürdiger Gedanke, die "Grundgesamtheit zu vergrößern", um die Repräsentativität sicher zu stellen. Eine Veränderung der GG (bzw. genauer: Wahl einer anderen GG) bedeutet auch, dass die Aussagen, die du aus deinen Untersuchungen ableitest, auf eine andere GG verallgemeinerbar sein sollen - falls deine Untersuchung auf Verallgemeinerbarkeit angelegt ist.

Ich glaube, du must erst mal klären, ob das, was du als GG bezeichnest, wirklich die GG deiner Untersuchung ist oder nicht nur deine Stichprobe. Machst du so etwas wie eine Fallstudie über einen best. Teilraum, oder machst du eine Studie, die repräsentativ z.B. für die Unternehmen Deutschlands sein soll?

1. die Unternehmen mit 1-10 Beschäftigten reinzunehmen, wird wahrscheinlich aufgrund der noch weniger ausgeprägten Anwortbereitschaft wenig Sinn machen
Ist das mit der geringeren Antwortbereitschaft eine reine Vermutung? Ich kenne Studien, wo genau das Gegenteil der Fall war - an die Großen kommt man schwerer ran.
karlmay
 
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Auswahl Unternehmensbefragung

Beitragvon zeschi » Montag 25. Februar 2008, 14:25

Heyhey! Vielen lieben Dank für die Rückmeldung!!!

Erst mal noch mal eine genauere Beschreibung des Themas:

- Thema ist „Wissens- und Technologietransfer zwischen KMU und Hochschulen.“ Innerhalb dieses Rahmens soll für die Region Augsburg (3 Gebietskörperschaften) und Nordschwaben (2 Gebietskörperschaften) eine empirische/ quantitative Analyse der bisherigen Transferstruktur vorgenommen werden bzw. der Ist-Situation zu „Struktur, Bedarf und Hemmnissen des Transfers“. (An der Entwicklung des Fragebogens feile ich gerade)
- Mein Hauptanliegen momentan ist nun die Auswahl, welche Unternehmen überhaupt erst in die Analyse miteinbezogen werden sollen bzw. der Umfang der Befragung (was vor allem auch im Rahmen einer Diplomarbeit zu schaffen ist bzw. in 6 Monaten).
-
- Bzw. es steht fest, dass vor allem die Wirtschaftszweige des produzierenden Gewerbes in die Untersuchung miteinbezogen werden (und evt. dazu noch ausgewählte unternehmensnahe Dienstleistungen, da diese eng mit dem produzierenden Gewerbe zusammenhängen bzw. ebenfalls einen Transferbedarf aufweisen.)
- Anhand der verfügbaren Datenbank komme ich nun auf 1400 Unternehmen in der Untersuchungsregion, die innerhalb der Umfrage angeschrieben werden könnten.
- Da die Analyse eigentlich auch die kleinen Unternehmen mit einbeziehen soll, wollte ich ursprünglich ebenso die Unternehmen mit 1-10 Beschäftigten anschreiben, jedoch wurde mir stark davon abgeraten, da aus den Erfahrungswerten des Büros anscheinend der Rücklauf tatsächlich noch schlechter wäre (trotz verschiedener Sensibilierungsmaßnahmen). Ich selbst kann das nicht beurteilen, habe aber jetzt auch in einer anderen Studie gelesen, dass es gerade die kleinen Betriebe waren, die den höchsten Rücklauf aufwiesen. Daher wäre ich dennoch auch dafür, diese miteinzubeziehen.

- diese Kontrollformel zur Berechnung des minimalen Stichprobenumfangs kannte ich vorher noch nicht, aber anscheinend sollte ich Sie ja anwenden, um überhaupt abzustecken, ob die Ergebnisse am Ende repräsentativ sind oder nicht. Bzw. was ist, wenn diese als nicht repräsentativ gelten sollten, reicht dann nicht auch unter entsprechender Begründung eine rein deskriptive Beschreibung der Ergebnisse? Bzw. würde es bedeuten, dass eine solche Studie von vorne herein überhaupt keinen Sinn macht, sobald man dies nicht auf die Untersuchungsregion (Augsburg und Nordschwaben) verallgemeinern kann?

- Ich hoffe ich konnte mein Anliegen etwas klarer machen. Ich sehe schon die Gefahr einer „Schrotschuss-Befragung“, an deren Ende die Ergebnisse nicht mehr aussagekräftig sind, weiss jedoch gerade nicht, wie ich anders vorgehen soll, bzw. was nun tatsächlich die Grundbedingungen für die Unternehmensauswahl meiner Befragung sein sollen. (Branchenauswahl, Unternehmensgröße, verfügbare Unternehmen der Region, erwarteter Rücklauf mit dem gearbeitet und Aussagen getroffen werden können bezüglich der Situation des Transfers)

- Vielen Dank noch mal für die Unterstützung und viele Grüße!!!
zeschi
 
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Beitragvon Henne » Mittwoch 27. Februar 2008, 15:14

Tachtach,

zunächst einmal müssen Ergebnisse einer (empirischen) Analyse immer verallgemeinerbar sein, daß ist ein grundsätzlicher wissenschaftlicher Anspruch.

Dazu gehört natürlich auch der "obligatorische Repräsentativitätstest", so gesehen hat Dein Betreuer schon recht. Aber Du mußt ihn meiner Meinung nach nicht zwingend an der Sachs-Formel festmachen, es gibt gefühlte 6 Millionen Arten, die Repräsentativität methematisch zu testen.

Um Deine Grundgesamtheit zu bestimmen, solltest Du zunächst die zentralen Untersuchungskriterien Deiner Arbeit festlegen. Diese ergeben sich aus Deiner "Forschungsfrage", also Deiner Themenstellung. Aus dem, was Du geschrieben hast, stellt sich Deine Grundgesamtheit in etwa so dar: "Alle produzierenden und produzierend dienstleistenden KMU in den Beispielregionen, die in irgendeiner Form Wissentransfer mit Hochschulen betreiben".

Du scheinst ja noch am Anfang zu stehen, ich schlage Dir folgendes Vorgehen vor (immer sukzessive):

- genaue Themenfestlegung
- Herleitung der Forschungsfragen
- Bestimmen der Untersuchungskriterien
- Auswahl der KMU, die diese Kriterien erfüllen
(schließlich wirst Du Stichprobe und Grundgesamtheit ja auch klassifizieren bzw. "staffeln" müssen...)

Das wichtigste: DON'T PANIC!

Du packst dat!

Gruß,

Henne
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Re:

Beitragvon MathewMeli » Dienstag 22. Februar 2011, 18:05

Henne hat geschrieben:Tachtach,

zunächst einmal müssen Ergebnisse einer (empirischen) Analyse immer verallgemeinerbar sein, daß ist ein grundsätzlicher wissenschaftlicher Anspruch.

Dazu gehört natürlich auch der "obligatorische Repräsentativitätstest", so gesehen hat Dein Betreuer schon recht. Aber Du mußt ihn meiner Meinung nach nicht zwingend an der Sachs-Formel festmachen, es gibt gefühlte 6 Millionen Arten, die Repräsentativität methematisch zu testen.

Um Deine Grundgesamtheit zu bestimmen, solltest Du zunächst die zentralen Untersuchungskriterien Deiner Arbeit festlegen. Diese ergeben sich aus Deiner "Forschungsfrage", also Deiner Themenstellung. Aus dem, was Du geschrieben hast, stellt sich Deine Grundgesamtheit in etwa so dar: "Alle produzierenden und produzierend dienstleistenden KMU in den Beispielregionen, die in irgendeiner Form Wissentransfer mit Hochschulen betreiben".

Du scheinst ja noch am Anfang zu stehen, ich schlage Dir folgendes Vorgehen vor (immer sukzessive):

- genaue Themenfestlegung
- Herleitung der Forschungsfragen
- Bestimmen der Untersuchungskriterien
- Auswahl der KMU, die diese Kriterien erfüllen
(schließlich wirst Du Stichprobe und Grundgesamtheit ja auch klassifizieren bzw. "staffeln" müssen...)

Das wichtigste: DON'T PANIC!

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Du packst dat!

Gruß,

Henne


- Bestimmen der Untersuchungskriterien ?? :-?
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